Die Geschichte eines Verbrechen Part 2

Jüdische Geschichte in Europa und Deutschland

Wer Blut vergießt, des Blut wird man vergießen.
Wer sündigt, der muss büssen seine Sünden.
Wer raubt und plündert und betrügt und mordet,
Soll hier auf Erden schon den Richter finden.
Der Mensch hat seine freie Wahl zu handeln,
Er kann beherrschen seinen dunklen Willen.
Das Kind lernt schon als erstes, sich zu zügeln,
Es darf nicht jeden bösen Hunger stillen.
Unsinnig ist’s den Glauben zu verfolgen,
Die Überzeugung kann man niemand rauben.
Ein Wahnsinn war es einst im Mittelalter
Als man getötet Menschen für den Glauben.
Man tötete die Juden, welche hingen
Am angestammten Glauben ihrer Väter.
Und auf dem Scheiterhaufen starben Christen
Wie Hus und Bruno; viele starben später.
Doch glauben ist des Menschen eigne Sache
Wenn er nicht will, braucht er nicht zu bekennen,
Es liegt an ihm allein, an seinem Willen,
Man zwingt ihn nicht, er braucht nicht zu verbrennen! -
Ganz andere war’s im neuen Mittelalter,
Das Adolf Hitler jetzt heraufbeschworen.
Ins zwanzigste Jahrhundert und nach Deutschland,
Dort tötet Menschen man, weil sie geboren.
Für eine Sache jenseits ihres Willens,
Für etwas, was sie gar nicht ändern können,
Weil ein moralischer Kretin es wollte
Konnt’ Menschen man vergasen und verbrennen.
Im zwanzigsten Jahrhundert und im Herzen
Europas, ließ das Volk der Goethe, Herder,
Der großen Musiker und Philosophen,
Missbrauchen sich von einem Massenmörder.
Ließ willig sich als Mordwerkzeug verwenden,
Und blieb heroisch kalt, wenn andere litten.
Schon Tacitus fand vieles eigentümlich
Als einst beschrieb er der Germanen Sitten.

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Das Volk der Juden, das der Welt die Bibel
Gegeben hatte, EINEN Gott zu glauben,
Propheten, Richter und die zehn Gebote,
Ließ ein Besessener töten und berauben.
Schon lange Zeiten waren sie im Lande,
Seit tausend Jahren waren sie zu finden;
Denn mit dem Römer kamen sie zum Rheine.
Wie Du, so lebten unter deutschen Linden
Sie auf der neuen Heimat altem Boden.
Der Feind, er konnte ihre Schätze rauben,
Den Tempel reißen und die Stadt vernichten,
Er konnte nicht zerstören ihren Glauben.
Sie lebten dort in kleinen Landgemeinden
Vereint im Leiden, abseits von den andern;
Geduldet hier nach Laune durch den Schutzbrief,
Und dort verjagt, bestimmt zum Weiterwandern.
Wohl gab es Zeiten, wo die deutschen Kaiser
Und ihre Untertanen gut die Gaben
Der Juden, die in ihren Ländern, nutzten;
Die Zeiten, wo wir sie als Ärzte haben.
Dann wieder wurden sie erneut gepeinigt
Von Hass und Furcht des dunklen Aberglauben;
Und wieder waren sie der Willkür Opfer,
Erneut konnt’ man sie morden und berauben.
Man strafte sie als Enkel jener Männer,
Die Christus einstens an das Kreuz geschlagen.
Dass er, wie seine Jünger und Apostel Juden
Gewesen, das vergaß man stets zu sagen.
Die Zünfte sperrten ihnen jedes Handwerk.
Das Zinsgeschäft ward’ ihnen überlassen.
Der Neid, die Missgunst zwang sie reich zu werden,
Jetzt fing man an sie um ihr Geld zu hassen.
Mit scheelen Augen sah man fremde Sitten,
Den fremden Glauben und das Geld der Juden,
Und als des Kreuzzugs wilde Horden zogen
Waren wieder sie die Ersten, welche bluten
Und sterben mussten, zu der Ehre dessen
Der einst der Liebe Allmacht hat verkündet.
Wenn man den Schuldbrief damit kann vernichten,
Sich leicht ein Grund zum Morden immer findet.
So lebten sie durch’s dunkle Mittelalter.
Geschützt am Anfang, vogelfrei am Ende,
Auf kurze Zeit in Frieden und dann rechtlos
Bis endlich kam die langersehnte Wende.
Bis neuer Geist die Menschheit hat ergriffen.
Die Aufklärung, die die Gemüter klärte,
Verbesserte das dunkle Los der Juden.
Sie war’s, die neue Menschenrechte lehrte.
Denn sie tat mehr als falsch verstandener Glaube,
Der nur den Fanatismus konnte zeugen,
Für Menschenliebe und für Menschenrechte,
Die niemals wieder, hoffte man, zu beugen.
Jetzt öffnen sich des Ghettos schwere Tore
Und aus der Judengassen dunkler Enge,
Verdurstet nach jahrhundertlangem Fasten
Drängt sich zum Quell des Wissens jetzt die Menge.
Jetzt trinken hastig sie in durst’gen Zügen
Die Schönheit und die Weisheit aller Zeiten,
Jetzt holen nach, was sie so lang versäumten,
Entbehrten in jahrhundertlangem Leiden.
Der Geist der Juden, hier auf deutschem Boden,
War eine Blüte, welche sich entfaltet,
Wie kaum zuvor in einem andern Lande
Zu großem Werke prächtig sich gestaltet.
Aus dieser Mischung, welche einzig wurde,
Aus der Synthese dieser beiden Rassen,
Entsprangen Leistungen des freien Geistes,
Die bis zum heutigen Tage nicht verblassen.
Jetzt fing sie an die Zeit, wo deutsche Juden
Zu edlem Wettstreit mit den Besten kamen;
Errangen für ihr Heimatland den Lorbeer
Und siegten damit für den deutschen Namen.
Die Heine, Börne, Meyerbeer und Gundolf,
Die Neisser, Freud und Franck und Wassermann,
Die Ballin, Ehrlich, Rathenau und Haber,
Die Warburg, Hertz, Lassalle und Liebermann,

Die Einstein, Lieben, Lasker und Minkowsky,
Die Offenbach, die Mahler, Mendelssohn:,
Die Schnabel, Klemperer, Weill, Bruno Walther,
Max Rheinhardt, Hitzig, Messel, Michelson.
Das waren für das Ausland große Deutsche.
Zwar hier im Lande musste man erraten,
Ob es ein Jude war, doch wusst’ man’s immer
Zu sagen bei der Juden Missetaten.
Dann war’s kein .Deutscher, nein, dann waren’s DIE Juden,
Die es getan. So war es stets. in Mode,
Doch war es bei den Deutschen nicht verbreitet
Bei sich zu üben diese Art Methode.
Sie waren stets das Volk, die Heimat Goethes
Und nicht der Mörder: Haarmann, Kürten, Denke.
Sie nannten immer nur sich nach dem Gipfel
Und niemals nach des Tales tiefer Senke.
Kurz — was ich sagen wollte Dir – war dieses
Dass Juden im Verein und voller Treue
Mit ihren deutschen Brüdern würdig kämpften
Und es bewiesen täglich stets aufs Neue.
In allen Schlachten, die der Geist geschlagen,
Und auch, wo sie mit andern Waffen fechten;
Zwölftausend Juden fielen im großen Kriege
Für ihre Heimat, die sie einst entrechten
Und ächten sollt’ zum Dank, und ihre Kinder
Dann schließlich morden konnte, ohne jede Reue.
Manchmal ist man versucht gelind zu zweifeln
Am Sinn des Wortes der ”Germanentreue”.

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Sechshunderttausend deutsche Juden gab es
Als Hitler kam mit seinem irren Hasse.
Sie lebten im Verhältnis eins zu hundert.
Auf hundert Deutsche kam ein Mann der Rasse,
Die nun zum Paria des Landes wurde.
Viel Mut war nicht vonnöten sollt’ man meinen
Und nicht viel Ruhm konnt’ Deutschland hier erringen
In diesem Kampfe ”hundert gegen einen”.
Unwürdig nur der Ehre dieses Landes,
War’s ein Verbrechen, das zu Hitler passte,
Der stets dem Gegner lieh die eignen Züge,
Und selber sich im Judenzerrbild hasste.
Doch Deine Eltern dürfen heut’ nicht sagen:
Was jetzt geschah das waren Hitlers Sünden,
Und glauben sich damit befreit von Schande,
Wenn sie so einfach einen Ausweg finden.
Denn nicht allein in Deutschland gab es Menschen,
Wo sich das Böse so manifestierte;
Doch deutsche Schuld ist, dass man Adolf Hitler
Bedingungslos als Führer akzeptierte.
So, wie die Danton, Robespierre und Marat
Des Volkes Stimmung nutzten ohne Fehle,
So war die dunkle Herrschaft Adolf Hitlers
Der Sieg des Bösen in der deutschen Seele.
Der Sieg des Bösen über die Instinkte
Des Menschentumes und des wahren Guten,
Der jetzt sein Haupt erhob und triumphierte
In diesem feigen Würgen deutscher Juden.

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Der deutschen Juden Schicksal war besiegelt,
Als Adolf Hitler an die Macht gekommen.
Erst wurden ihnen ihre Bürgerrechte,
Danach das Geld, das Leben dann genommen.
Geächtet und verachtet, dann bestohlen,
Verfemt, gejagt, verhöhnt und kalt gemieden,
Vom Freunde eines Lebens weggestoßen,
Aus jeder Volksgemeinschaft ausgeschieden,
So zogen sie jetzt einsam ihre Strassen,
Das Hassgeschrei der andern in den Ohren.
Die ”schwere Schuld”, die mussten sie jetzt büssen,
Dass man in Deutschland sie dereinst geboren. – -
Es war der Weg zu ihrem bitteren Ende;
Vom Schmutz des ”Stürmers”, Goebbels Hohn begleitet,
So, wie in der Apokalypse neben
Dem Tod die Pest zur Seit’ des Teufels reitet:
Doch in die Tragik mischte sich auch Komik,
Von Goebbels Seite ohne Absicht freilich;
Wenn er befahl, verbot, sowie erlaubte,
War er zuweilen etwas übereilig.
So, als er einen Sportfilm untersagte,
In dem der Boxweltmeister Baer agierte,
Weil dieser jüdisch aussäh’. Beim Vergleichen
Der Beiden war der Goebbels der Blamierte.
Auch dass zwei wackre Fachschaftsfronttonsetzer
Befehl erhielten, die Musik zu schreiben,
Die Felix Mendelssohn ersetzen sollte,.
War lustig. Leider ließen sie es bleiben.
Im Falle eines Dichters war es schlimmer,
Man stahl nicht nur, man log auch noch dabei.
Denn ”Dichter unbekannt” war jetzt der Schöpfer
Von Heinrich Heines Lied, der ”Loreley”. – -
Jetzt kam die Stunde, die den Juden zeigte,
Was ihrer harrte, blieben sie im Lande.
Den ”Reichsboykottag” nannten Hitlers Schergen.
Den Tag, der Eure Väter deckt mit Schande.
Vor allen Häusern, wo die Juden schafften,
Der Klinik , wo sie Kranken Heilung brachten,
Vor Warenhäusern, Rechtsanwaltskanzleien,
Kurz überall, wo sie sich nützlich machten,
Da standen braune Sturmkolonnen, die sich
An diesem heldenhaften ”Einsatz” weiden
Und fordern von den deutschen Volksgenossen
Der Juden Dienste künftig zu vermeiden.
Die ”Nürnberger Gesetze”, die die Juden
Zu Fremden machten, da wo sie geboren,
Noch lange wird man ihrer sich erinnern
Als Denkmal nur, wie Deutschland sich verloren.
Was sich im Lande damals ”Zeitung” nannte:
Der ”Völkische Beobachter”, der ”Stürmer”,
Das ”Schwarze Korps” der ”Angriff” und die andern,
Die Staub schon längst und Fraß der Würmer,
Erfanden immer wieder neue Lügen,
Die blinden Massen weiter zu verrohen,
Den Hass zu säen gegen Menschen, welche
Wehrlos am Boden, leicht waren zu bedrohen.

Ab dem Novemberpogrom 1938

Und als ein Sohn des unterdrückten Volkes
In wirrer Ohnmacht hob die Hand zum Morde,
Sein Blut zu rächen und die Welt zu wecken,
War’s nur das Zeichen für die braune Horde,

In einer Nacht zu plündern, zu zerstören,
Der Juden Gotteshäuser anzuzünden,
Die Scheiben der Geschäfte zu zertrümmern,
Verwüsten alles, was man konnte finden.

Es war bestellte Arbeit eines Mannes,
Die ”Reichskristallnacht” nannte man sie später.
Auch wenn sie keine Flammen selber schürten,
War es kein Ruhmesblatt für Eure Väter.

In dieser Nacht, wo alte Gotteshäuser
Zerfielen im Rauch, ein Opfer wilder Flammen,
Da brach in. Hitlers ”Drittem Reich” für immer
Der letzte Pfeiler jedes Rechts zusammen. – - -

Für etwas, was sie nicht begangen haben,
Nur weil ein Sohn von ihrem Volk geschossen,
Woran sie schuldlos waren, wie deutsche Menschen
Am Totschlag eines IHRER Volksgenossen,

Wird diese Schuld jetzt kollektiv geahndet.
Tausend Millionen war die ”Judenbusse”,
Die man nun auspresst’ aus den deutschen Juden.
Und diesem Lösegeld folgt’ auf dem Fuße

Verfolgung und Verordnung und Verbote
Der kleinsten Freiheit, ohne lang’ zu warten,
Nichts, was den grauen Alltag unterbräche,
Nicht mal die Bank im öffentlichen Garten

Bleibt den Verfolgten jetzt zur Rast gestattet,
Es sei die gelbgestrichene, wo gebrochen,
Verbrauchte Menschen, die nichts mehr verstanden,
Ausruhten ihre alten, müden Knochen.

Der es gesehen, kann es nicht vergessen,
Ein Anblick war es, ein bedrückend trüber,
Doch wie gewöhnlich gingen Deine Väter
Acht- und gedankenlos daran vorüber.

Man ”arisiert”, das heißt, man stahl die Werte,
Die sich erworben einmal fleißige Hände.
Man jagt sie aus dem letzten der Berufe,
Jetzt können sie nur warten auf ihr Ende.

Man sperrt sie ein und aus, nimmt was sie haben,
Man will sie los sein, ihr Besitztum horten;
Ein Todesurteil war es für die meisten,
Denn kaum ein Land macht’ Bettlern auf die Pforten.

Im Pass das ”J”, der Bibel Judenname,
Sollt schließen ihnen jetzt die letzten Schranken,
Doch fiel das, was als Schimpf und Spott gedacht war,
Zurück nur auf die Väter des Gedanken.

Man zwang sie jetzt den gelben Stern zu tragen
Zur ”Strafe”, dass als Juden sie geboren.
Noch einmal schlossen Deine werten Eltern
So wie bisher, die Augen und die Ohren.

Jetzt war’s soweit, sie völlig zu verschließen,
Was nun geschah, war sehend nicht zu tragen,
Ob wirklich Menschen sie vollbracht die Taten
Die hier geschehen, das muss man sich fragen.

Denn in dem großen Kriege Adolf Hitlers,
Der unsere Welt bis heute bracht’ ins Schwanken,
Der Deutschland und Europa halb zerstörte,
Da fasste er den teuflischen Gedanken,

Sein grausig, wirres Wahnbild umzusetzen
In etwas, was die Welt noch nie gesehen,
Den Massenmord an einem ganzen Volke;
Und nicht zu ruhen, ehe er geschehen.

Ein Wahngeschlagener lässt hier Mitverschworene
Den Riesenscheiterhaufen grausig schüren.
Die Hände an der Hosennaht wie immer,
Sind’s deutsche Männer, die den Mord ausführen.

Ich sag nicht ”Deutschland”, ich sag deutsche Männer,
Die ihre ”Pflicht” tun, wie sie sie verstehen.
Da ihre Lust gar, blind nur zu gehorchen,
Konnt’ alles das, was jetzt geschah, geschehen.

Sie hörten nicht die Stimme des Gewissens,
Sie wussten nichts von höheren Gesetzen,
Sie waren seelenlose Mordmaschinen
Und füllten unsere Erde mit Entsetzen.

Was Adolf Hitler so die ”Lösung” nannte,
Der ”Judenfrage”, war das kalte Morden
Von sechs Millionen Menschen in Europa,
Die nun zusammen trieben die Kohorten

Der schwarzen Staffeln mit den Totenköpfen,
Verächter aller heiligen Menschenrechte,
S.S., S.D., die Sondereinsatztruppen,
Sie waren nichts als feile Schinderknechte!

Bei Nacht und Nebel roh herausgerissen,
Gejagt, gehetzt, wie Schlachtvieh aufgetrieben,
Vom Krankenbett, vom Schreibtisch und vom Herde,
Von allem, was sie während eines Lebens lieben,

Besitzen durften, als ihr Eigen glaubten.
Vom Mutterarm reißt man unschuldige Kinder,
Verstörte Greise treibt man in die Züge,
In graue Güterwagen, die für Rinder,

Für Vieh dereinst bestimmt. Aus allen Winkeln
Europas, wo die deutschen ”Sieger” standen,
Aus Frankreich und aus Belgien und aus Holland,
Wo immer die Eroberer sich befanden,

Jagt man die Opfer in ”Vernichtungslager”,
Vergast, erschießt, hängt, und verbrennt die Leichen.
Das ist geschehen erst vor wenig Jahren,
Und Menschen taten es an Ihresgleichen!

Dem deutschen Heere nach dem Osten folgten
Fast auf dem Fuß die Sondereinsatzhorden,
Die schwarzen Henkersknechte Heinrich Himmlers
Bestimmt, geschlagene Menschen zu ermorden.

Hilflose Opfer, Greise, Frauen,. Kinder,
Schuldlos und wehrlos wurden sie geschlachtet.
Noch nie, seit Menschen sind auf dieser Erde,
Wurd’ göttliches Gesetz derart verachtet!

Sie mussten ihre Gräber selber graben,
Am Grabenrand dann wurden sie erschossen;
Die Erde nahm sie auf, und neue Opfer
Verschlang das Grab, bevor man es geschlossen.

Doch sechs Millionen oder sechzigtausend
Sind für Dich nichts als unfassbare Zahlen,
Damit Du mitfühlst, musst im Geist Du sehen
Den, den Du liebst, in letzten Todesqualen.

Denn Dir sagt nichts die Zahl der toten Opfer,
Die kalte Zahl von sechs Millionen Leichen,
Das Irrsinnsbild des Riesenleichenberges,
Kann menschliches Verständnis nicht erreichen.

Du musst an Deine eigene Mutter denken,
Die man erstickt im Gas wie Ungeziefer;
Und denken Dir dann Deines Vaters Leiche,
Der man das Gold reißt sachlich aus dem Kiefer;

Sieh Deine Schwestern, die voll Qual ersticken,
Die Augen brechend, im Gesicht, im fahlen,
Und Deine Brüder, die am Boden winden
Sich in des Todeskampfes letzten Qualen!

Dann. erst, dann kannst Du wirklich fassen,
Begreifen, fühlen, was damals geschehen;
Dem Unglaubhaften stehst Du gegenüber
Mit Augen, die es voller Grauen sehen.

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Das Ende

Der wüste Irrsinnstraum er ist zerstoben.
Sein Denkmal sind die Trümmer und die Leichen.
Treblinka, Auschwitz, Maidanek und Belsen
Und zwanzig Lager mehr, das sind die Zeichen,

Die Male dieses ”Tausendjährigen Reiches”,
Dem einst Dein Vater freudig angehörte.
Nachdem der ganze grause Spuk verflogen,
Beklagt er sich, dass man ihn einst betörte. –

Begeistert folgte er einst dem Mephisto
Mit seinen andern braunen Unterteufeln.
Erst als es IHM, ging an den werten Kragen,
Da fing er an, an seinem Gott zu zweifeln.

Erst als er Schmerz am eignen Körper spürte,
Fand er sein Schicksal hart und unergründlich;
Und unverdient erschien ihm da sein Leiden.
Beim Leid der andern, war er nicht empfindlich.

Er fing am eignen Leibe an zu fühlen
Erst als der Russe ihm sein Land besetzte.
Als er zuerst in Russland eingebrochen,
Er sich bedeutend weniger entsetzte.

Ganz wie es Tacitus vorzeiten sagte,
Dass der Germane maßlos sei im Siege
Und voller Selbstmitleid, wenn Niederlage
Und Unglück er erlitte je im Kriege.

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Im Irrenhaus des Führerbunkers drückte
Sich Hitler, diese Gottesgeißel feige
Vor dem Gericht. Das deutsche Volk es leerte
Den bittern Wermutsbecher bis zur Neige.

Nun musste es den Teufelspakt bezahlen.
”Deutschland erwache” – Nun war es erwacht
Aus einem Rausche, der zwölf Jahre währte,
Zwölf Jahre mittelalterlicher Nacht.

Zerstört, in Trümmern lagen traurig
Die alten Städte, Zeugen lichter Tage.
Unwiederbringlich ward’ zu Schutt und Asche
Das, was heut’ klingt wie längst verklungene Sage.

Die Anmut Dresdens, der Barock von Würzburg,
Frankfurt, die alte Kaiserstadt am Maine.
Was niemals wieder, wie es war erstehen
Kann, ging dahin, das Schöne und das Feine.

Denn Deine Eltern, welche Hitler folgten,
Sie handelten als denkbar schlechte Erben
Des Gutes der vergangenen Geschlechter.
Leichtfertig hinterließen sie nur Scherben.

Was Deinen Vätern anvertraut einst wurde,
All das, was dieses Leben machte wärmer,
Verspielten sie und stahlen es den Enkeln
Und machten sich und unsere Erde ärmer.

Erinnerung für die Zukunft

Was Du gehört hast deutsches Kind soeben
Ein Teil nur ist es von dem Schreckensbilde,
Das Adolf Hitler dieser Welt gelassen;
Und jedes Wort gesagt, war viel zu milde.

Die einst nicht so wie er gedacht, die Köpfe
Er brach sie wie sein Wort nach Lust und Laune.
Er brach Versprechen, er brach alle Pakte,
Leichtfertig brach er dann den Krieg vom Zaune.

Ich weiß es wohl, auch andere mussten leiden
Die Schreckensherrschaft dieser braunen Schande,
Die Land auf Land mit harter Faust verheerte
Bis sie ihr Opfer fand im eigenen Lande.

Europa ward verwüstet und am Ende
Wurd’ deutsches Land verbrannt in Feuersgluten.
Sein jämmerliches Leben zu verlängern
Ließ Hitler Kinder dann für sich verbluten.

Die deutschen Männer wurden blind geschlachtet
Auf hoffnungslosem Posten fern verloren.
Armeen wurden dem Moloch geopfert
Vor Stalingrad. Verhungert und erfroren.

Die Geiseln wurden kalt dahingemordet.
Man gab den ”Gnadentod” den Schwachen, Kranken.
Wie tief war dieses Land damals gesunken,
Als Ärzte überschritten heilige Schranken.

Gar Manches sagte sicher Dir Dein Vater
Und Vieles hast Du zweifellos gesehen.
Um Dich herum das Bild der Kriegsruinen
Erinnert Dich und sagt Dir, was geschehen.

Drum sprach ich nur als Anwalt für die Toten,
Für diese sechs Millionen, leicht vergessen
Von Deinen Vätern, die dem Bösen folgten,
Den man zum Gott erklärte einst vermessen.

A11 dieses deutsches Kind, was ich Dir sagte,
Ich sagte es Dir nicht, um Dich zu schrecken.
Nicht Hass beseelte mich noch Vergeltungswünsche
Dir gegenüber. Ich wollt’ Dir nur wecken

Bewusstsein und Gewissen und den Willen,
Das gut zu machen, was einst andre taten.
Im Menschen sollst Du Deinen Bruder sehen,
Dazu, so hoff’ ich, legte ich die Saaten.

Du sollst die Schuld erkennen Deiner Väter,
Die sich verkauften einem falschen Gotte,
Die sich missbrauchen ließen von dem Bösen
Und starben wie des Korah sünd’ge Rotte.

Erkennen sollst Du, was man tut als Sklave.
Verteidige Dir die Freiheit selbst zu denken!
Als Mensch bist Du auf diese Welt gekommen,
Lass niemals Dich wie Vieh der Weide lenken;

Lass Du Dir Deine Seele nicht vergiften
Mit Lügen, die das Böse in Dir züchten.
Das, was Du tust, das muss vor DIR bestehen,
Was Du getan, muss DEIN Gewissen richten.

Glaub’ niemals mehr, Du seist zum Herrn geboren
Und andere Menschen kamen zur Welt als Knechte.
Gott schuf die Menschen, er schuf nicht Nationen,
Glaub nicht, Dein Land alleine nur hat Rechte.

Du tötest Dich, wenn Du den Bruder mordest,
Im Menschen sollst Du Deinen Bruder sehen.
Wenn Du Dich siehst im andern Menschenbruder,
Was einst geschah, wird niemals mehr geschehen!

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Denn wir sind arme Erdengäste,
Die Gott dereinst zum Lichte lud.
Wir leben eine kurze Spanne
Aus gleichem Fleisch aus gleichen Blut.

Warm schlägt das Herz, das uns gegeben
Und allen fließt das Blut uns rot.
Wir leben eine kurze Spanne
Am Licht; es wartet kalt der Tod.

Wir leben eine kurze Spanne;
Niemand sei Herr und niemand Knecht.
Drum lasst uns leben so, dass niemand
Verletze je des andern Recht.

Nichts ist uns hier. Es muss so bleiben;
Und nach uns werden andere sein.
Drum alle, die heut’ mit uns leben,
Die lasst auch unsere Brüder sein.

Sie alle haben eine Mutter,
Sie alle atmen eine Luft.
Sie schauen selig in die Sonne
Und ihrer wartet grau die Gruft.

Hommage an ein mögliches Deutschland

Vor langer Zeit musst’ ich die Heimat lassen
Als kleines Opfer jener ”großen” Zeiten.
Ich hatte Glück, denn noch bin ich am Leben
Und andere mussten Not und Tod erleiden.

Das Deutschland ist nicht mehr, das ich einst kannte.
Dass ich es liebte, sagen Dir die Zeilen,
Die ich empfunden, als ich noch im Lande
Wo ich geboren, doch nicht durft’ verweilen.

Sie lasse ich darum den Abschluss bilden;
Voll Hoffnung wurden sie dereinst geschrieben,
Des Heimatlosen Sehnsucht ist darin,
Vergangenes aus der Ferne nur zu lieben.

Zu jenem Deutschland, welches einmal war,
Die Zuversicht sie ist darin enthalten,
Der Glaube auch an Dich, Du deutsches Kind.
An DIR liegt es, die Hoffnung zu gestalten.

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Das Dämmern Deiner Wälder Deutsches Land,
Der Schlag der ‘Wellen an der Ostsee Strand,
Das Weiß der Birken, Deines Himmels Blau,
Das Silber Deiner Flüsse und der Tau,
Der an den Rosen auf der Heide blinkt,
Der Ruf der Lerche, die im Äther singt,
Der Zug der Wolken hoch in blauer Luft,
Das Echo, das noch lang den Lauscher ruft,
Das Edelweiß an steiler Bergeswand –
Nur sie seh’ ich in Dir Du Deutsches Land.

Der Wein der Mosel, schimmernd im Pokal,
Die Hüften Deiner Mädchen schlank und schmal,
Des Mondes Silberschein auf grauem Turm,
Die alten Gassen, die so manchen Sturm
Und vielen goldnen Sonnenschein gesehen,
Der Marktplatz, wo verträumte Brunnen stehen
Und wo der Roland ragt, das Schwert zur Hand –
Nur sie seh’ ich in Dir, Du Deutsches Land.

Und Deiner großen Geister fernen Ruf
Hör’ ich und seh’ gerührt, was jeder schuf,
Was sie gefühlt, ersonnen und bedacht,
Greift mir ans Herz mit alter Zaubermacht.
Die Wunderklänge Bachs und Goethes Wort
Sie klingen ewig und an jedem Ort;
Wie Dürer, Herder, Lessing, Mommsen, Kant –
Nur sie seh’ ich in Dir Du Deutsches Land.

Nur sie seh’ ich in Dir und will sie sehn.
Du warst gesund, die Krankheit wird vergehen.
Einst drehst Du auf und atmest stark und tief,
Dann bist Du wohl erwacht. Zu lang schon schlief,
Was echt in Dir und deutsch und wahrhaft groß.
Die Sklavenfesseln wirfst Du Dir vom Schoss,
Den Flitterkram, die Larve vom Gesicht.
Dann lädst Du furchtbar lachend zu Gericht.
Dem Bruder reichst Du Deine Bruderhand.
Dann bist Du, was Du warst, Du Deutsches Land. -